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DDR Museum oder Ohne Mief und Nostalgie


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Geschichte zum Anfassen, das alltägliche Leben in der DDR spielerisch, interaktiv und lebendig vermitteln – das ist das Konzept des DDR Museums in Berlin Mitte. Eigentlich löste die Aussicht, das 2006 eröffnete Museum zu besuchen, in mir ein mulmiges Gefühl aus. Vor meinem geistigen Auge sah ich enge, miefige Räume, eventuell noch mit der typischen dunklen Wand- und Deckenverkleidung. Ausstellungsstücke, die flohmarktähnlich auf Tischen, Stühlen und Schränken stehen. Ich hörte Besucher, die der Ohnmacht nahe, wilde Begeisterungsschreie von sich geben, wenn sie die geliebte Bambina Schokolade endlich entdeckt haben. Aber zum Glück kam alles anders: Betritt der Besucher das Museum, so hat er eher das Gefühl, zu einer Zeitreise eingeladen zu sein.


Nach wenigen Stufen erreicht man den Ausstellungsraum und kann in eine Zeit mit ihren alltäglichen Geschichten eintauchen. Die ganze Ausstellung wirkt distanziert, aber keineswegs lieblos. Ideenreich werden die vielen Gegenstände des Alltags präsentiert. Das Ideologische wird nicht verdrängt, drängt sich aber nicht in den Vordergrund: So werden Pionierhalstücher, FDJ – Hemden, -Wimpel und –Ausweise gezeigt, aber auch die Lieblingsfiguren des DDR-Kinderfernsehens – Sandmann, Pitti Platsch und Herr Fuchs liegen zum Schmusen bereit. Alte Schulhefte, -bücher und -taschen können aus Schubfächern genommen und inspiziert werden.


In einem voll ausgestatteten Wohnzimmer ist die Karat-Schrankwand inklusive typischer Utensilien wie Vasen, Gläser, Bücher und einem alten Kassettenrekorder zum Greifen nahe. Lässt sich der Besucher auf dem Sofa nieder, kann er Karl Eduard von Schnitzlers Sendung „Der schwarze Kanal“, wahlweise auch Auszüge aus der „Aktuellen Kamera“ oder einem nicht enden wollenden Applaus nach einer Parteitagsrede von Erich Honecker lauschen. In einer kleinen Nische ist ein Bad eingebaut, das an einige Sachen erinnert, die man gern vergessen hätte – die Qualität des Toilettenpapiers oder den Duft der Seife. Auch den Kulturbeutel, den Mutti packte, wenn es ins Ferienlager ging, kann man sich unter die Nase halten.


Die Küche wirkt so, als wäre sie noch nicht lange verlassen: Der Schnellkochtopf steht bereit auf dem Herd. In den Küchenschränken sind Gewürze, Backaromen und sogar ein Glas Apfelmus zu finden. Verlässt man die Wohnräume, kommt der Zeitreisende in einen kleinen Kinosaal. Dort kann er einige alte Dokumentationen hören - zum Beispiel über das legendäre Fußballspiel DDR gegen BRD.


Was kann man noch erleben: Mit Kopfhörern kann der Besucher nach Musik von Karat oder City erinnerungsträchtig die Hüften schwingen. Ein Kleiderschrank lädt zu einem Qualitätstest ein – Ost- und Westjeans harmonisch nebeneinander. Eine Schublade mit Stoffproben und eine Nähmaschine stehen für die Suche nach einem Ausweg aus der Kleidungsmisere. Aber ein besonderes Highlight ist der Trabant, der in voller Größe auf einem Podest zu finden ist. Dort kann man sich hineinsetzen, noch einen Hauch von dem typischen Geruch einatmen. Und wenn auf das Gaspedal getreten wird, erklingt der Klang der Superpappe.


Das DDR  Museum finden Sie in der Karl Liebknecht Straße 1 in 10178 Berlin Mitte. Geöffnet ist es Montag bis Sonntag 10 bis 20 Uhr, am Samstag 10 bis 22 Uhr. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Gruppenführungen kosten für 60 Minuten 40 Euro und für 90 Minuten 60 Euro und können unter Telefon: 030 – 847 123 73 – 1 angemeldet werden. Anfragen sind auch per Fax: unter 030 – 847 123 73 – 9 oder per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. möglich. Neben den Standardführungen werden auch spezielle Rundgänge z.B. inklusive Schlossplatz mit dem DDR – Regierungsviertel oder über die Prachtstraße Karl-Marx-Allee angeboten.


Natürlich kann hier nicht alles aufgezählt werden, was die Ausstellung ihren Besuchern bietet. Wenn Sie eine Führung mitmachen, dann wird auch das lebendig, was sich hinter Glas befindet. Mit viel Enthusiasmus führt das Personal durch die DDR – Alltagskultur und informiert gleichzeitig über wesentliche Fakten. Geschichte zum Anfassen ist das Konzept des Museums. Aber auch alle anderen Sinne kommen keineswegs zu kurz.