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Eine kleine Stadt in der großen


Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen in der Frühen Neuzeit begann eine jede Stadt, die auf sich hielt, ihre Wehranlage systematisch zu einer eigenständigen Festung umzubauen. Oft am Stadtrand gelegen, sollte diese ein letztes Widerstandsnest für die Garnison oder auch ein Rückzugsort für die Stadtbevölkerung sein. Die Bezeichnung Zitadelle wurde aus dem Italienischen entlehnt und bedeutet wörtlich übersetzt „kleine Stadt“. Spandau verfügt über eine der besterhaltenen Zitadellen der Renaissance in Europa. Die Anlage umfasst das Torhaus, die vier Bastionen Kronprinz, Brandenburg, König und Königin, Kasernen, Zeughaus und andere Verwaltungsgebäude, das Kommandantenhaus sowie als erhaltene Zeugnisse der mittelalterlichen Burg den Juliusturm und den Palas, einen repräsentativen Saalbau.


Bis auf eine Ausnahme im Jahre 1813, als es galt, mit der französischen Zitadellenbesatzung durch preußischen Artilleriebeschuss abzurechnen, kam es nie zu ernsthaften Bedrohungen oder gar Angriffen. Stattdessen wurden im Juliusturm Gefangene verwahrt, ebendort auch bis 1918 der Reichskriegsschatz von 1870/71, bei dem es sich um französische Reparationsgelder handelte. In den 1930er Jahren wurde das so genannte Heeresgasschutzlaboratorium eingerichtet zum Zwecke der Weiterentwicklung chemischer Kampfstoffe. Die heutige kulturelle Nutzung der Zitadelle ist vielfältig: eine Jugendkunstschule, Künstlerateliers, Konzerte, Kunstausstellungen, ein Puppentheater sowie die historische Zitadellen-Schänke in mittelalterlichem Ambiente. Nicht zuletzt dient die Zitadelle 10.000 Fledermäusen als Winterquartier – bestens behütet vom Verein Berliner Artenschutz Team, der auch Führungen anbietet.


Nähere Informationen zu allem bereits erwähnten und noch viel mehr finden sich auf der Seite www.zitadelle-spandau.de. Der ABSV bietet eine Führung durch die Zitadelle an (www.absv.de/freizeit/zitadelle.htm) und in der Festung kann ein professionell gemachter Audioguide ausgeliehen werden, der aber für einen allein gehenden Blinden nicht geeignet ist. Der Audioguide führt durch die Zitadelle selbst und durch die Museen auf dem Gelände wie den Ausstellungsbereich zur Geschichte von Burg und Zitadelle im Kommandantenhaus und das stadtgeschichtliche Museum Spandau im Zeughaus. Er führt auch zu Objekten, die angefasst werden können, zum Beispiel ein sehr überlegt gestaltetes und stabiles Holzmodell der Zitadelle.


Wer mehr als das Offensichtliche erkunden möchte, sollte an einer Führung teilnehmen, denn dabei sind sonst unzugängliche Bereiche wie die Kasematten, die Gewölberäume und das Pulvermagazin in der Bastion Königin zu erleben. Führungen, auch fremdsprachige und für Schulklassen, sind sowohl ohne Anmeldung als auch nach Vereinbarung möglich.


Eine Besonderheit auf dem Museumshof neben dem stadthistorischen Museum ist eine umfangreiche Aufstellung von 26 Standbildern und 40 Büsten historischer Persönlichkeiten aus der Geschichte Brandenburgs und Preußens zum Zwecke der Restaurierung für eine neue Dauerausstellung. Schon im Vorfeld der Ausstellung können die Figuren, von denen ursprünglich viele entlang der ehemaligen Siegesallee im Berliner Tiergarten standen, im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Diese sollte unbedingt vorab telefonisch verabredet werden.


Im Haus Vier, dem ehemaligen Heeresgasschutzlaboratorium, und dahinter im Bereich der Bastion Kronprinz befinden sich zahlreiche Ateliers von Künstlern und Handwerkern, von denen im Folgenden einige vorgestellt werden. Sie können einzelne oder auch mehrere Ateliers und Werkstätten während eines Rundganges aufsuchen. Eine Anmeldung empfiehlt sich generell, auch wenn es hier und da Öffnungszeiten gibt. Für den alleinigen Besuch der Ateliers ist kein Eintritt in die Zitadelle zu entrichten. Blinde und sehbehinderte Besucher werden von einer Aufsichtsperson am Eingang der Zitadelle bis zu den Werkstätten begleitet und auch wieder zurückgebracht.


Zitadelle Spandau
Am Juliusturm 64
13 59 9 Berlin
Telefon: 030 / 35 49 44 0


Internet: www.zitadelle-spandau.de
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


Führungen:
Telefon: 030 / 33 97 87 74 (Dienstag und Donnerstag von 10.00 bis 14.00 Uhr)
Mobil: 01 78 / 31 20 73 0 (übrige Zeit)
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


Öffnungszeiten:
Montag bis Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr (an 365 Tagen im Jahr)


Werkstätten, Ateliers und Sammlungen im Haus Vier, dem Atelierhaus:



Offene Wollwerkstatt Evelyne Höpfner


Klang-Holz e. V.


Offene Gravurwerkstatt Inge Gerner


Die Seifenengel


Atelier für künstlerische Keramik, keramische Plastik und Kunst Dorothea Nerlich

Offene Skulpturenwerkstatt Danit