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Die Deutsche Oper
oder
Von Riesenkronleuchtern und Bühnenwölfen


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Betritt man die Deutsche Oper Berlin vom Haupteingang in der Bismarckstraße, vermutet man nicht, was einem hinter der tristen Waschbetonfassade aus dem Jahre 1961 erwartet. Eingang, Kassen, Garderoben, Foyer und der Zuschauerraum mit 1865 Sitzen wirken eher düster, zweckmäßig und unspektakulär – kurzum kein Ort zum Wohlfühlen.

 

Das Abenteuer beginnt erst, wenn Carsten Jenß, einer der Dramaturgen des Hauses, die Besuchergruppe durch eine kleine, unscheinbare Tür rechts neben der Garderobe führt. Ein wenig unheimlich wirkt der schwach beleuchtete Gang, ähnlich wie in einer Katakombe. Wer aber einen Einblick in die Arbeit hinter den Kulissen eines Musiktheaters gewinnen will, der ist hier richtig.

 

Herr Jenß führt uns zuerst in das umfangreiche Magazin. Hier stehen in den fast 8 Meter hohen Räumen alte und neue Bühnenbilderteile und wir fühlen uns winzig klein. Ob es der Riesenschuh des Försters aus „Das schlaue Füchslein“, das Rosengitter aus „Dornröschen“ oder der Riesenkronleuchter aus „Der Freischütz“ ist - die unterschiedlichen Materialen werden greifbar und mit den ausführlichen Erklärungen von Herrn Jenß werden hier die Dimensionen einer Inszenierung deutlich – der Aufwand und die Liebe zum Detail spürbar. Der Rundgang durch das Magazin verdeutlicht uns auch die Ausmaße des Hauses, denn wir bewegen uns um die Bühne des Hauses und wir bewegen uns viel…

 

Der erste Abstecher führt uns in die Schlosserei und Tischlerei. Ein Geruch von Holz schlägt uns in die Nase. Hier wird gesägt, an einem metallenem Bühnenbildteil geschweißt und aus Holz eine Rieseneisscholle fabriziert - und das alles zum Anfassen. Nachdem wir einige Flure durchquert haben und so manche Treppe rauf und runter gelaufen sind, wissen wir nicht mehr, ob wir uns im Erdgeschoss oder in der ersten Etage befinden – aber wir haben ja Herrn Jenß - der kennt sich hier aus und das ist gut so.

 

Als nächstes werden wir freundlich im Kaschierraum empfangen. Der Bühnenplastikermeister selbst gibt uns detailliert Auskunft über die Entstehung der Plastiken – von der Idee bis zur Umsetzung. Riesenohren, ein Riesenbühnenwolf mit Silberblick und ein schlafender Alligator – alles geht durch die Hände, die vielen Informationen ins Ohr. Ein Staunen geht wieder durch unsere Runde, mit wie viel Arbeit eine Inszenierung doch verbunden ist, wie viele Abteilungen gut beschäftigt sind.

 

Im großen Malsaal werden kleinere Bühnenteile zu einem Ganzen zusammengelegt – noch fällt es uns schwer, eine Vorstellung davon zu gewinnen, wie das aussehen soll, aber wir haben ja Herrn Jenß, der uns alles erklärt. An den Garderoben der Solisten vorbei spazieren wir in Richtung Seitenbühne und werden auf einmal von zwei Seiten mit Musik beschallt. Vor uns – auf der Bühne – läuft eine Probe und neben uns? Zu unserer Belustigung erfahren wir, dass in den Toiletten der Probenverlauf live eingespielt wird. Auch zutiefst menschliche Bedürfnisse dürfen den Proben- und Vorstellungsablauf nicht gefährden.

 

Dann schleichen wir auf die Seitenbühne und kommen so dem fulminanten Probengeschehen immer näher. Eigentlich könnten wir uns jetzt von den Bühnenarbeitern mit dem großen Kulissenwagen auf die Hauptbühne schieben lassen. Aber die ist ja schon hochkarätig besetzt.

 

Mit diesem Highlight geht die Führung auch schon ihrem Ende entgegen. Geduldig beantwortet Herr Jenß im Foyer alle noch anstehenden Fragen. Nach fast zwei Stunden verlassen wir begeistert das Haus. Wer sich die Größe der Deutschen Oper noch mehr verdeutlichen will, dem sei empfohlen, einmal um das ganze Areal herum zu laufen. Ich konnte nicht mehr. Vielleicht das nächste Mal….