Blechschilderfabrik oder Vom Blech zum Schild
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Näher werden Sie einem Fabrikbesitzer wohl nicht mehr kommen, außer Sie sind selber einer. Die Geschichte der Fabrik. Ich mache es kurz, weil Ihnen Herr Direktor Büttner senior gerne und umfangreich auf alle Ihre Fragen antworten wird. Berlinerisch direkt und ungeschminkt.
Also, zur Geschichte: Die Firma Gesellschaft Blechemballage und Plakatindustrie wurde von Harry Buettner im April 1904 gegründet. Harry Buettner hatte das Ziel, den damals sprunghaft steigenden Bedarf an Blechverpackungen zu befriedigen. Als Klempnermeister brachte er die dazu erforderlichen Kenntnisse mit. Bald zog die Fabrik aus Platzmangel von Kreuzberg an den heutigen Standort Schinkestraße um. Im damaligen Rixdorf dem heutigen Neukölln. Und da spielt auch heute noch die Musike!
Der Ehrgeiz und die Erfindergabe von Harry Buettner führten zu zahlreichen Patenten. Das Produkt der Plakat-Industrie, das Blechschild, bekam den Markennamen “Embalit*-Schild“ als besonderes Qualitätserzeugnis. Die Fabrik überstand den ersten Weltkrieg ebenso unbeschadet wie die Inflation. Die schlimmste Beeinträchtigung in dieser Zeit war nur die Tatsache, dass der Lohn täglich ausbezahlt wurde, und das erforderliche Geld für die rund 100 Beschäftigten mit einer Pferdekutsche von der Bank geholt werden musste.
Nach dem Tod von Harry Buettner im Jahre 1936 übernahmen seine vier Kinder die Fabrik. Zu Geschäftsführern wurden der älteste Sohn Heinz und dessen Bruder Werner berufen. Werner Buettner leitete vorerst die Fabrik alleine, während Heinz als Soldat im 2.Weltkrieg war. Als Heinz verwundet nach Hause kam, begann er sofort mit dem Wiederaufbau der bombenbeschädigten Fabrik. Mit Beginn des 2.Weltkrieges wurden Blechschilder nur noch sehr begrenzt bestellt. Stahl und Stahlblech stand kaum zur Verfügung. Es wurde für die Kriegsindustrie gebraucht. Die Produktion erstreckte sich weitgehend auf Hinweis-, Warn-, und Luftschutzschilder. Das Archiv des Hauses gibt heute noch Zeugnis über die seinerzeit hergestellten Schilder.
Da es auch kurz nach dem Krieg kein geeignetes Material für die Blechdruckschilder gab und auch kein Bedarf bestand für irgendein Produkt zu werben, beschränkte man sich darauf, Blechkanister aus amerikanischen Beständen auseinander zu schneiden, um daraus Konservendosendeckel herzustellen. Diese wurden gerne von den umliegenden Bauern gegen Naturalien eingetauscht. Die Löhne der Arbeiter wurden natürlich auch in Naturalien bezahlt. Nach dem Studium der Betriebswissenschaft trat der jüngere Sohn von Heinz Buettner, Gernot Buettner am 1.1.1965 in das Unternehmen ein. Heute, über 40 Jahre später, wird Sie Direktor Gernot Buettner durch seine Fabrik führen.
Herr Direktor geht gerne in die Produktionshalle und die Mitarbeiter freuen sich ehrlich über seinen Besuch. „Sie haben ja ne kurze Frisur “ bemerkt er bei einer nicht mehr ganz jungen Mitarbeiterin. „Sie ja och “, kommt die prompte Antwort. Beide lachen. Direktor Buettner zeigt uns sein überwältigendes Archiv, viele Schilder sind sehr gut taktil erfassbar, und dann kommt er auf seine neue Frisur zu sprechen. „Ick war jestern zum ersten Mal bei nem türkischen Friseur. Der Friseur hat sich total Mühe gegeben. Der hat eene Stunde an mir rumjeschnippelt. Toll! Und denn, jetzt kommt's, der will 10 Euro von mir. Eine Stunde bester Arbeit für 10 Euro! Das ist doch für einen Selbstständigen Selbstausbeutung. Ich habe 15 bezahlt.“
Wenn Sie Spaß an Lärm, Lack und Maschinen haben, sind Sie hier genau richtig.
Fast alle Arbeitsgänge sind taktil erfassbar und werden von Direktor Buettner anschaulich erklärt. Das Betreten des riesigen Brennofens im 2.Stock ist fast etwas gruselig. Direktor Buettner freut sich über jede Frage und gibt gerne Auskunft über seine Fabrik, seine Arbeiter, seine politische Einstellung, seine Meinung über die Justiz im Falle Ackermann und Hartz. „Gestern hab ich gelesen, dass ein Zechpreller zu 3 Jahren Haft verknackt wurde, und diese Herrschaften gehen leer aus. Geiz ist geil? Geiz ist eine der 7 Todsünden. So viel dazu!“ Direktor Buettner geizt auf jeden Fall nicht mit seinen Schildern und Blechpostkarten.
Als wir da waren, durfte sich jeder von uns im Verkaufsladen ein Schild aussuchen und mitnehmen. Man spürt, wie stolz er auf sein Produkt ist. Ich habe mir erlaubt, Herrn Dir. Buettner nach der chinesischen Konkurrenz zu befragen. Ein tiefer schelmischer Blick. Er steht auf und kommt mit 2 Schildern wieder zurück. Er reicht sie mir wortlos. Alles klar. So einfach ist eine Fälschung nicht immer zu erkennen.
Das Chinaschild ist farblos und dünn. Die Prägung oberflächlich und verwaschen. Kein Vergleich zum erheblich schwereren, leuchtenderen und wiederstandsfähigeren Original.
"Unsere alte Buchhalterin war über 30 Jahre bei uns. Sie kam als sie sich den Fuß gebrochen hatte im Taxi zur Arbeit. Als sie dann in Rente ging, haben sie meine Frau und ich in unser Häuschen in Florida eingeladen. Mit Flug und Taschengeld natürlich. Danke sagen, ohne dass man noch wat erwartet. Danke sagen für die lange Zusammenarbeit. Ich finde das gut, was Ihr da macht. Klar mache ich da gerne die Führung. Kein Problem. 2 Tage vorher anrufen und mit mir nen Termin machen. Freitag geht nicht, da ist zu viel zu tun."
Gesellschaft für Blechemballage- und Plakat- Industrie mbH
Schinkestrasse 20
12047 Berlin
Telefon: 030 / 69 81 19 7 - 0, Herrn Direktor Buettner Senior verlangen.
