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Wasserturmplatz


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Mitten im Prenzlauer Berg, nicht weit vom Kollwitzplatz, liegt eine der ersten, ehemaligen Wasserversorgungsanlagen Berlins, der Wasserturmplatz. Bis in das 17. Jahrhundert herein befanden sich in diesem Gebiet, das zu den Ausläufern des Barnim gehört, Wald- und Feldflächen, auch wurde die Barnimkante zeitweilig zum Weinanbau genutzt. Friedrich der II. ließ 1748 in Höhe der jetzigen Strassburger- und Metzer Straße mehrere Windmühlen errichten. Im 19. Jahrhundert entstanden im Umkreis zahlreiche Brauereien und bei den Berlinern entwickelte sich dieses Gebiet zu einem beliebten Ausflugsziel.

 

Im Jahre 1852 schloss der Berliner Polizeipräsident mit zwei englischen Geschäftsleuten einen Vertrag über die „Versorgung der Stadt mit fließendem Wasser“. 1853 wurde in London die „Berlin - Waterworks – Company“ gegründet und so erfolgte 1856 die Inbetriebnahme des ersten Berliner Wasserwerks an der Spree vor dem Stralauer Tor und der Anlage nahe dem Windmühlenberg, einem offenen kreisförmigen Reinwasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von etwa 3000 m³ sowie einem Standrohrturm.

 

In den ersten Betriebsjahren diente der Reinwasserbehälter als Vorratsbehälter und das Standrohr als Sicherheitsventil. Da der Bedarf an Wasser ständig stieg, wurde 1877 die Anlage erweitert: um den Wasserturm mit dem Hochbehälter (heute der Wohnturm) und um ein zweites Wasserbecken mit einem Fassungsvermögen von etwa 7000 m³.

 

Die Wasserversorgungsanlage stellte 1914 ihren gesamten Betrieb ein. Das Gelände wurde daraufhin 1916 nach Plänen des städtischen Gartendirektors Broderson als Grünfläche gestaltet und erhielt eine öffentliche Nutzung. Seine heute noch erkennbare Struktur erhielt der Wasserturmplatz 1935 – 1937 von dem Gartenarchitekten Paul Mittelstädt. Heute ist die Anlage Baudenkmal sowie Gartendenkmal und zieht Anwohner und Touristen gleichermaßen an.

 

Baulich ist seit den 90iger Jahren Einiges geschehen. Der Standrohrturm und der Wohnturm wurden saniert, auf dem großen Wasserspeicher der Treppenturm wiederhergestellt und von den ehemaligen Wasserbehältern wurden die Deckel gedichtet bzw. erneuert. Seit 1994 sind in den Sommermonaten die beiden Wasserspeicher der ältesten Wasserversorgungsanlage Berlins ein faszinierender Ort künstlerischer Projekte und Entdeckungen. Insbesondere ihre Architektur und Akustik vermitteln den Besuchern einen nachhaltigen Eindruck.

 

Die Grünanlage wurde seit 2003 in mehreren Bauabschnitten saniert. Der Rundweg mit seinen Zugängen an der Belforter Straße wurde wiederhergestellt, die Spielanlagen und Platzflächen erneuert. Die Hänge wurden mit über 20.000 Rosen begrünt. Auf der Nordseite wurde der Brunnenplatz wiederhergestellt, den es bereits in der historischen Gestaltung gab. Wenngleich die Baumaßnahmen und die Veränderung des Platzes nicht immer nur auf Zustimmung gestoßen sind, haben Anwohner und Besucher den neu gestalteten Wasserturmplatz schon vor seiner offiziellen Übergabe angenommen und mit Leben erfüllt.