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Spandau durch die Jahrhunderte


Bereits Albrecht der Bär, erster Markgraf der Mark Brandenburg, soll auf dem Gebiet des heutigen Spandau im 12. Jahrhundert eine Burg errichtet haben, in die er vorgefundene slawische Burgwälle einbezog. Neben und mit der Burg entwickelte sich, wie es oft der Fall war, eine Siedlung. Als die Burg ausgebaut wurde, hat man die Bewohner in den Bereich der heutigen Altstadt umgesiedelt. Der Name der Burg wurde auf den späteren Ort übertragen. Die Stadtrechte von Spandau sind erstmals 1232 urkundlich nachweisbar.


Als nur mäßig humorvolle Kuriosität aus jener Zeit sei der so genannte „Knüppelkrieg“ zwischen Berlin und Spandau im August 1567 erwähnt, der vom damaligen Kurfürsten als eine Art Volksbelustigung gedacht war: Berliner und Spandauer Bürger sollten sich drei Tage lang auf der Havel und auf dem Lande spielerisch schlagen. In voller Rüstung, allerdings nur mit Knüppeln bewaffnet. Die Angelegenheit entglitt jedoch der Kontrolle des Fürsten, welcher schließlich sogar mit einem Knüppel vom Pferde geschlagen wurde, als er höchstpersönlich eingriff. Über den Ausgang des Unternehmens war Kurfürst Joachim II. Hektor so erbost, dass er den Spandauer Bürgermeister Bartholomäus Bier für einige Monate in einer Festung einsperren ließ. Einzelheiten darüber kann man bei Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ nachlesen.


Spandau entwickelte sich ab dem 16. Jahrhundert zu einer Militärstadt: Die Zitadelle wurde fertiggestellt, eine Garnison eingerichtet, die Stadtmauer befestigt und 1722 eine Gewehrfabrik gebaut.


1846 erhielt Spandau einen ersten Eisenbahnanschluss und ab 1909 eine Vorortbahn, welche 1928 als S-Bahn elektrifiziert wurde. Ab 1897 siedelte das Elektrounternehmen Siemens und Halske nicht nur Produktion und Verwaltung an, sondern begann damit, einen neuen Ortsteil mit modernen Werkssiedlungen zu errichten: Siemensstadt. Spandau war zum Ende des Ersten Weltkriegs ein bedeutendes Rüstungszentrum. Hier wurde auch das Maschinengewehr MG 08/15 gefertigt, von dem sich die gleichnamige Redewendung für etwas ganz Gewöhnliches ableitet. 1920 wurde der Bezirk Spandau als achter Bezirk Groß-Berlins aus dem Stadtkreis Spandau, fünf Gemeinden und drei Gutsbezirken gebildet.


Nach 1945 gehörte Spandau zum britischen Sektor. Eine Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Festungshaftanstalt für Militärangehörige, die nach 1933 als Schutzhaftlager diente, nutzten die Alliierten bis 1987 als Kriegsverbrechergefängnis. Nach dem Tode des letzten Gefangenen Rudolf Heß wurde das Gefängnis sofort abgerissen und auf dem Gelände ein Einkaufszentrum für die britischen Truppen errichtet.


1980 streikten die West-Berliner S-Bahn-Angehörigen. Die DDR-Reichsbahn, die die Verantwortung für die West-Berliner S-Bahn gern loswerden wollte, schränkte schließlich den S-Bahn-Verkehr soweit ein, dass dieser in Spandau zum Erliegen kam. Dafür erhielt der Bezirk nun Anschluss an das U-Bahn-Netz. Seit 1998 fährt die S-Bahn wieder über die Gleise der Spandauer Vorortbahn bis zum neu errichteten Fernbahnhof.


Spandau ist ein bedeutender Wirtschaftsstandort (Siemens, Osram, BMW, Kraftwerk Reuter) und wird wegen seiner Wald- und Wasserflächen auch gern als Ausflugsgebiet genutzt. Die Spandauer Altstadt wurde in den 1970er Jahren ansprechend saniert und zur Fußgängerzone erklärt, wovon die Wochenmärkte, diverse Straßenfeste und der berlinweit beliebte Spandauer Weihnachtsmarkt, der sich durch sein besonderes Flair von anderen Berliner Weihnachtsmärkten abhebt, profitieren.