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Station "La Belle Jardiniere" / "Die Schöne Gärtnerin"


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Das siebenteilige, stahlgraue Gesamtensemble der Großskulptur ist in Form eines Halbkreises angeordnet. Die im gepflegten Rasen halb versunkenen Fragmente schaffen eine surreale Szenerie, auf deren rechter Seite sich die Gestalt der Gärtnerin erhebt. An seiner linken Seite endet der Halbkreis in einem brunnenartigen Gebilde, geformt aus zwei großen Schalen. Die aus dunklem Stahl zusammengeschweißten Teile der Skulptur stellen abstrakte, zum Teil auch organisch wirkende Formen dar, die sich nur schwer auf eine Deutung festlegen lassen.

 

Die hoch aufragende Gestalt der Gärtnerin überragt den Besucher um mehr als eine Körperlänge. Ihr monumentaler Kopf hat die Größe eines Wagenrades und blickt gen Osten. Im Rücken der Gärtnerin befindet sich ein Stützpfeiler, der fast zu bescheiden wirkt,  als dass er die Skulptur in Balance halten könnte. Zu Füßen der Gärtnerin kann der Besucher seine Hände ausstrecken, um die geriffelten Röhren ihrer Beine zu ertasten. Seine Hände  reichen ihr aber nur bis zum Bauch. Er müsste sich schon strecken, um die Vertiefung ertasten zu können, die ihr Bauchnabel sein müsste.
In ihrer stählernen Unnahbarkeit und Größe wirkt die „Schöne Gärtnerin“ alles andere als schön, eher streitbar und monumental. Ist sie eine Kriegerin, die aus den halb versunkenen Trümmern einer zerstörten, industriellen Welt aufragt? Oder hat sich der Künstler vielleicht eher von frühzeitlichen Kulten inspirieren lassen?

 

Tatsächlich erinnert der archaische und übermenschliche Ausdruck der Skulptur an die „Große Göttin“ der neolithischen Zeit, die als Verkörperung von Natur und Erde verehrt wurde. Das Gesamtensemble des Kunstwerks könnte demzufolge das Relikt einer Altaranlage darstellen, die Schöne Gärtnerin als anzubetende magische Idolfigur. Verschont geblieben von der zerstörerischen Wirkung der Zeiten, lehnt sie an ihrem Pfeiler und erinnert an die Schönheit des Gartens und der Natur, die ebenso verletzlich ist wie die Menschen selbst. Die einzelnen Teile der Skulptur erzeugen unterschiedliche Klänge, die der Besucher problemlos selbst erkunden kann.
(O-Ton Gärtnerin)

 

Wer die Skulptur genauer erforscht, wird die zum Teil schmalen Lücken zwischen den einzelnen Elementen entdecken. Für einige der Fragmente muss man sich bücken, um sie über dem Boden zu ertasten. Sie können natürlich auch das
Gesamt-Ensemble umkreisen, um einen räumlichen Eindruck zu gewinnen. Da die einzelnen Teile eng beieinander stehen, werden Sie sich dabei weder verlaufen noch verirren. Zwischen einigen Fragmenten ist der Durchgang allerdings nur schwer zu finden.