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Station "Rhizomatische Hauptbrücke"


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Wenn Sie jetzt am rechten Brückengeländer stehen, liegt die ganze Fläche des Sees zu Ihren Füßen. Am gegenüberliegenden Ufer tönt weit außer Hörweite die Windharfe, von der die See-Umrundung ausgegangen ist. Der Hauptweg der Brücke ist über drei jeweils wiederum dreifach verzweigte Seitenwege zu erreichen, so dass sich insgesamt sieben Landzugänge und zwei Zugänge vom Wasser ergeben, die teils über Treppen vom Ufer zur Brücke hinaufführen. Als wäre ihr Untergrund eine ausladend verzweigte Baumwurzel, so scheint die Brückenkonstruktion aus dem Erdboden zu wachsen. Und tatsächlich verdankt die Brücke diesem Bild ihren Namen, denn ein Rhizom bezeichnet in der Natur ein verzweigtes, wurzelartiges System.


Den oberen Teil der Konstruktion bildet ein Wald aus aufwärts strebenden und dabei einander zugeneigten Holzpfeilern, die in Dreier- und Vierergruppen beieinander stehen, und jeweils in einer der 15 mit Kupferblech beschlagenen Spitzen der Brücke zusammen finden. An den Stellen, an denen das Brückengeländer durchbrochen ist, können Sie die Holzpfeiler ertasten, die dort in Vierergruppen beieinander stehen. Auch der Neigungswinkel, der sie oben in einer Spitze zusammen führt, ist ertastbar. Die Pfeiler stehen auf einer kleinen geländergesicherten Plattform.


Die Rhizomatische Brücke verbindet nicht nur zwei Seeufer. Durch ihre besondere vom Künstler gestaltete Form, verknüpft sie sinnbildlich organisches Wachstum mit menschlicher Errungenschaft. Ein weiteres Mal wird der Besucher auf den Wunsch nach einer harmonischen Verbindung des Menschen mit der Natur verwiesen, der sich als roter Faden durch die Objekte des Britzer Gartens zieht.


Zu seiner Eröffnung befanden sich Europa und die Welt im Kalten Krieg. Einige der Werke im Britzer Garten zeugen vom Schrecken, den die Künstler angesichts dieser Bedrohung empfunden haben. Der Katastrophen-Brunnen und der Meteorit seien hier erwähnt, den der Künstler zum „Wishing-Star“, also zur Sternschnuppe erklärte. Er hat ihr den Wunsch eingraviert, „dass die Herrschenden auf die Zerstörung der Welt verzichten mögen“. Vor diesem zeitgeschichtlichen Hintergrund wirkt die Rhizomatische Brücke wie ein Gegenentwurf der Hoffnung auf eine friedliche Zukunft im Einklang mit der Natur.