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Impression "Libellenthron"


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Eine Schrifttafel regt die Phantasie der Besucher mit folgenden Worten an: „Der Thron in seiner archaisch anmutenden Versteinerung zwischen Schilf und Schwertlilien gelegen, wird eines Tages regelrecht wieder entdeckt werden müssen.“ Der Libellenthron präsentiert sich als Versteinerung, nach Art eines prähistorischen Fossils versteckt - oder womöglich begraben? – inmitten von Schilf und Schwertlilien. Er ist ein Relikt aus ferner Vergangenheit, ähnlich wie die heutigen Libellenarten, die seit 150 Millionen Jahren ohne wesentliche Veränderungen existieren und deren Vorfahren vor 320 Millionen Jahren die Erde besiedelten.

 

Das für den Thron verwendete Gestein führt ebenfalls auf die Spur erdgeschichtlicher Urzeiten. Kalk-Tuffstein, eigentlich Travertin, trägt landläufig diesen Namen, da seine Beschaffenheit an das Original erinnert, den Tuffstein vulkanischen Ursprungs. Der Besucher des 21. Jahrhunderts ist also eingeladen, auf diesem archaischen „Kunst-Fossil“ Platz zu nehmen und von einer Zeit zu träumen, die weit vor der Menschheitsgeschichte liegt, dem Zeitalter der Libellen. Noch schlummern sie als Larven im Wasser, doch bald werden sie durch den schmalen Durchgang im Schilf, geleitet von den Stufen des Throns an Land steigen, erstmalig ihre schillernden Flügel entfalten und mit der lautlosen Schnelligkeit erfahrener Jäger auf Raubzug gehen. Heute genauso wie vor Millionen von Jahren.

 

Für den flüchtigen Moment dieser prähistorischen Halluzination, wird der Träumer auf dem Thron an die Kontinuität und die lebendige Verbindung von urzeitlichen Anfängen und Gegenwart erinnert, für die die Libelle mit ihrem langen Erdenleben steht. Vielleicht ist er damit der Wiederentdeckung des Throns, den die Künstlerin nach Art eines „Es wird einmal“ in die ferne Zukunft verlegt hat, bereits einen Schritt näher gekommen.